Gespart wird an der Kontrolle.

    Accenture, VW, Autobahn: Gespart wird an der Kontrolle

    ·7 Min Lesezeit
    Gespart wird an der Kontrolle.

    In einem Papier von Accenture-Forschern über Vertrauen im Zeitalter generativer KI führte eine Fußnote zu einem Code-Archiv mit echter Schadsoftware. Sie ist eine von 31 erfundenen oder verdrehten Quellen, die der Prüfsoftware-Hersteller GPTZero in drei Papieren von Accenture-Leuten gefunden hat (GPTZero).

    In Braunschweig muss VW einem entlassenen Manager rund 300.000 Euro Gehalt nachzahlen, der Konzern wirft ihm vor, interne Prüfberichte an Medien und Behörden gegeben zu haben (Spiegel). Und für die Kredite der Autobahn GmbH braucht es ab 2027 keine Zustimmung aus dem Bundestag (Bundesrat-Drucksache 592/26).

    Beratung, Konzern und Bund sparen an der Kontrolle, weil sie Zeit und manchmal eine Karriere kostet, und zahlen tut, wer sich auf die Prüfung verlassen hat.

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    Accenture verkauft Sorgfalt, die im eigenen Papier fehlte

    Das Papier heißt „Leapfrogging Development“ und beschreibt, wie afrikanische Länder mit KI mehr an Kaffee, Kakao und Zuckerrohr verdienen könnten. Accenture Afrika hat es im November 2025 mit der IE University in Madrid herausgebracht, zwei der vier Autoren und beide Herausgeber arbeiten für Accenture (Silicon UK).

    Von seinen 89 Quellen sind laut GPTZero 15 erfunden oder verdreht, also jede sechste. Darunter ist eine Fachzeitschrift, die es nicht gibt, und eine Organisation, die GPTZero nirgends finden konnte (GPTZero). Zwei weitere Papiere haben Accenture-Forscher im Mai 2026 auf der Plattform arXiv veröffentlicht, dort beanstandet GPTZero 7 von 102 und 9 von 54 Quellen (Resultsense). Accenture hat sie nicht offiziell herausgegeben, die Autoren schreiben aber unter Accenture-Adresse.

    Für das Afrika-Papier spricht Accenture von einem menschlichen Fehler, für eine Panne der KI gebe es keine Belege. Die Firma will es korrigiert neu herausgeben, wie sie zu ihrem Schluss kommt, sagt sie nicht. GPTZero verkauft die Software, mit der es sucht, und hat ein Interesse an solchen Funden. Nach eigenen Angaben hat dort ein Mensch jede beanstandete Quelle nachgeprüft, ähnliche Fälle meldet GPTZero aus dem vergangenen Jahr von PwC, KPMG, Deloitte und EY.

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    Bei VW fliegt, wer nach dem Dieselskandal aufpassen sollte

    Im Dezember 2018 hielt ein interner VW-Revisionsbericht fest, dass das Kunststoff-Hochdach des Campers Grand California Benzol, Styrol und Formaldehyd ausdünstet. Im April 2019 ging der Camper trotzdem unverändert in Serie. Zwei Manager aus einer Abteilung, die VW nach dem Dieselskandal gegründet hatte, damit sich so etwas nicht wiederholt, wiesen erst intern und dann extern auf die Schadstoffe hin (taz).

    Ein interner Prüfbericht, aus dem das ZDF-Magazin „Frontal“ zitierte, nennt beim Benzol das 35-Fache des Gefahrenwerts des Umweltbundesamts. Seit 2022 versiegelt VW das Dach. Für ältere Camper gab es keinen Rückruf, nur den Rat, bei Unwohlsein anzuhalten und an die frische Luft zu gehen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ihre Ermittlungen im April eingestellt, weil sich ein Zusammenhang mit Gesundheitsschäden nicht nachweisen lasse (promobil).

    VW hat beide Manager entlassen. Nach Überzeugung des Konzerns haben sie interne Revisionsberichte zu Crafter und Grand California an Medien und Behörden gegeben, darunter das Landeskriminalamt. Das Arbeitsgericht Braunschweig hält die fristlose Kündigung für verspätet und die ordentliche für wirksam. Diese Woche sprach es dem einen Manager rund 300.000 Euro Gehalt für etwa ein Jahr zu, dem anderen im September rund 200.000 Euro (Spiegel).

    Die rund 380.000 Euro Anwaltskosten, die VW sich erstatten lassen wollte, bekommt der Konzern nicht, er will in Berufung gehen. Die Millionenklage der beiden auf Schadensersatz ist dagegen in zwei Instanzen gescheitert und liegt jetzt beim Bundesarbeitsgericht.

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    Der Bundestag schaut bei den Autobahn-Krediten nur noch zu

    Am Freitag hat der Bundestag in erster Lesung über einen Gesetzentwurf beraten, der die Autobahn GmbH des Bundes kreditfähig machen soll (Bundestag). Ab 2027 darf sie Kredite aufnehmen und Anleihen ausgeben. Eine Bürgschaft des Bundes gibt es dafür nicht.

    Ab 2028 fließt ihr der Infrastruktur-Anteil der Lkw-Maut direkt zu, das sind rund 37 Prozent des gesamten Mautaufkommens, und erst dann werden Zinsen und Tilgung fällig. Im Bundeshaushalt 2028 stehen dadurch 4,6 Milliarden Euro weniger Ausgaben, weil die Maut nicht mehr über den Haushalt zur Gesellschaft läuft (Bundesrat-Drucksache 592/26).

    In der Begründung des Entwurfs fällt an vier Stellen Kontrolle weg (eigener Befund, Drucksache S. 9, 29 und 30). Bisher brauchte der Finanzplan der Gesellschaft die Zustimmung der Bundestagsausschüsse für Haushalt und Verkehr. Dieser Vorbehalt wird aufgehoben, künftig stimmt das Verkehrsministerium zu, und der Bundestag bekommt den Plan zur Kenntnis.

    Über die Kredite entscheidet laut Begründung „allein“ die Gesellschaft. Die Aufsicht des Fernstraßen-Bundesamts gilt für ihre Finanzierung nicht mehr. Und an das Haushaltsrecht ist sie ausdrücklich nicht mehr gebunden, damit die Kredite zur Schuldenbremse im Grundgesetz passen.

    Für deinen Montag: Bevor du die Studie einer Beratung in deine nächste Vorlage übernimmst, öffne die drei Quellen, auf denen dein Argument steht.

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    In eigener Sache: Das AI Native Playbook.

    Accenture schiebt die erfundenen Quellen auf einen menschlichen Fehler und sagt nicht, auf welchen Menschen. Genau darum geht es in Kapitel 4 des Playbooks. Ein KI-Agent braucht einen Owner, und der ist eine Person mit Namen, keine Abteilung.

    Diese Woche im Playbook: Kapitel 4 · Der Owner ist eine Person. Nicht die IT. – Steht beim Agenten als Owner „die IT“, hat er keinen.

    Am Mittwoch kommt Kapitel 5: Sechs Layer. Selbst gebaut werden zwei. Piloten scheitern fast nie am Agenten. Sie scheitern am fehlenden Beleg, wie gut er ist.

    19 € im Monat oder 150 € im Jahr, mit allen zehn Kapiteln bis zum 9. Dezember und den Quellen-Dossiers zu den Reels. Im Aufsichtsrat für 300 € im Jahr liegt die ganze Serie sofort als PDF bei dir, ohne auf Mittwoch zu warten.

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    Und wenn ihr wissen wollt, woran die KI bei euch gerade hängt, klären wir das im AI Reality Check, ein Tag vor Ort, eine Woche später der Report. Wer mich lieber auf der Bühne hat, findet Themen und Formate auf stephanbaier.de/keynotes.

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    Bis nächste Woche.

    — Stephan


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    Diese Woche im PlaybookDie AI Native Company · Kapitel 4 · im Abo

    Der Owner ist eine Person. Nicht die IT.

    Steht beim Agenten als Owner „die IT“, hat er keinen.

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