Die Rechnung geht nach nebenan.

    184.000 Stellen fehlen. Die Pflegekasse spart.

    ·7 Min Lesezeit
    Die Rechnung geht nach nebenan.

    Der deutschen Wirtschaft fehlen in diesem Jahr 184.000 Vollzeitkräfte, hat Prognos für die Bertelsmann Stiftung ausgerechnet (Bertelsmann Stiftung). 4,6 Millionen Menschen im Erwerbsalter pflegen einen Angehörigen, und viele arbeiten deshalb weniger oder gar nicht mehr. Ein Erwerbstätiger erwirtschaftet in Deutschland im Schnitt rund 97.000 Euro im Jahr. Bei 184.000 fehlenden Kräften sind das knapp 18 Milliarden Euro (Destatis).

    Die Pflegeversicherung merkt davon nichts, für sie ist die Tochter, die selbst pflegt, die billigste Lösung. Jeder rechnet bis zum Rand seiner eigenen Kasse, weil ihm dort keiner widerspricht, und die Rechnung landet nebenan. Diese Woche gleich dreimal.

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    Die Pflegekasse spart, den Firmen fehlen die Stunden

    Den Ausfall tragen vor allem Frauen. Sie stellen 63 Prozent der Pflegenden und pflegen im Schnitt sechs Stunden pro Woche mehr als Männer. Fast der ganze Verlust entsteht bei denen, die mehr als zehn Stunden in der Woche pflegen, und bis 2045 wächst er auf 229.000 Vollzeitkräfte (Bertelsmann Stiftung).

    Für die Pflegeversicherung ist das ein gutes Geschäft. Bei Pflegegrad 3 überweist sie der Familie 599 Euro Pflegegeld im Monat, für einen ambulanten Pflegedienst zahlt sie bis zu 1.497 Euro (Bundesgesundheitsministerium). Die pflegende Tochter kostet die Kasse also weniger als die Hälfte, und das gilt in jedem Pflegegrad.

    Im Koalitionsvertrag steht dazu ein Prüfauftrag: „Wir prüfen, wie perspektivisch ein Familienpflegegeld eingeführt werden kann“ (Koalitionsvertrag). Familienministerin Karin Prien will im ersten Halbjahr 2027 ein Konzept für einen Lohnersatz nach dem Vorbild des Elterngelds vorlegen, aber nur, wenn die wirtschaftliche Lage es zulässt. Sie sagt selbst, pflegende Frauen gerieten oft „in die Teilzeitfalle, aus der sie nie mehr herauskommen“. Ob das Geld kommt, entscheidet am Ende eine andere Kasse. Prien hofft, „dass die Haushälter dem auch zustimmen“ (Ärzteblatt).

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    Die Stromsteuer senken wollen alle, bezahlen soll Klingbeil

    Wie die Lage ist, hat der Finanzminister am Donnerstag gesagt. Die Steuerschätzer erwarten für 2027 10,9 Milliarden Euro mehr Einnahmen als im Mai, für den Bund davon 4,1 Milliarden. Davon fallen 2,5 Milliarden weg, weil der Bund bei besserer Konjunktur weniger Schulden machen darf, und 1,7 Milliarden kostet die Reform der Einkommensteuer (Handelsblatt).

    Übrig bleibt nichts. Lars Klingbeil sagt es so: „Für 2027 gewinnen wir insgesamt keine neuen Spielräume hinzu, wir müssen aber auch keine neuen Lücken schließen“ (Bundesfinanzministerium). Beim Plus aus der Steuerschätzung ist es übrigens umgekehrt. Länder und Gemeinden bekommen laut derselben Mitteilung in allen Jahren mehr als im Mai erwartet, der Bund in einigen Jahren weniger.

    Am selben Tag forderten die Ministerpräsidenten in Berlin, der Bund solle die Stromsteuer schnell für alle senken. Manuela Schwesig, SPD wie Klingbeil, nannte das „dringend notwendig“, Hendrik Wüst von der CDU sprach von einer „enormen Belastung“. Die Länder sagen auch gleich, warum ihnen die Forderung so leichtfällt. Die Stromsteuer fließt allein an den Bund, ihre eigenen Haushalte belastet eine Senkung nicht (dpa via WiWo). So regelt es das Grundgesetz in Artikel 106.

    Am Samstag stand Friedrich Merz auf dem CSU-Parteitag in München. Wenn es irgendwie gehe, und er denke, es gehe, „muss die Stromsteuer runter“ (Joyn/dpa). Für Haushalte und kleine Firmen kostet das rund 5,4 Milliarden Euro im Jahr. Angekündigt hatte Merz die Senkung schon am 12. Oktober, laut dpa ohne die Finanzierung mit seinem Finanzminister abzustimmen (dpa).

    Bis dahin zahlt fast jeder den vollen Satz. Seit Januar zahlen nur das produzierende Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft das europäische Minimum von 0,05 Cent je Kilowattstunde, alle anderen weiter 2,05 Cent (Bundestag). Der Friseur, die Arztpraxis und jeder Haushalt zahlen je Kilowattstunde also das 41-Fache eines Stahlwerks. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD versprochen, die Stromsteuer „als Sofortmaßnahme“ für alle zu senken.

    A manager in a plain suit, a dark violet negative silhouette, turns a heavy crank on a large crooked hand-drawn server cabinet. From the back of the cabinet a long cream stream of coins flows away to a second man in a suit, a cream silhouette, who sits relaxed on top of a tall heap of coins, with a few cream rays behind him. Flat violet ground fills the whole square image from edge to edge, no circle, no disc, no border.

    Die KI rechnet sich bisher nur für ihre Verkäufer

    Dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr stärker wächst als im Frühjahr erwartet, liegt laut Finanzministerium vor allem an den Exporten, angeschoben unter anderem vom weltweiten KI-Boom. An der KI verdient also, wer sie verkauft oder die Teile dafür liefert. Wie es den Käufern geht, hat am Freitag Torsten Sløk gezeigt, Chefökonom beim Finanzinvestor Apollo.

    Sløk teilt den US-Aktienindex S&P 500 in zwei Gruppen, die sieben Tech-Riesen von Apple bis Nvidia und die übrigen 493. Bei den sieben ist die Gewinnmarge seit Mitte 2023 von etwa 14 auf rund 30 Prozent gestiegen. Bei den 493 liegt sie seit Jahren bei rund zehn Prozent, und beim Umsatz je Mitarbeiter bewegt sich dort auch fast nichts (abgelesen aus Sløks Grafiken). Sløk schreibt, KI habe Amerikas Firmen außerhalb der Tech-Branche bisher „zero financial payoff“ gebracht (Apollo).

    In Umfragen klingt das ganz anders. Die Boston Consulting Group hat 1.330 Topmanager befragt, und fast jede zweite Firma sagt dort, KI bringe ihr schon echten Wert. Die Ausgaben für KI haben sich in weniger als einem Jahr auf 3,3 Prozent vom Umsatz verdoppelt, und mehr als 80 Prozent davon laufen nicht mehr über das IT-Budget (BCG). Bei zehn Prozent Marge ist das ein Drittel des Gewinns.

    Die 7,5 Prozent der Firmen, bei denen es sich lohnt, machen laut BCG zwei Dinge anders. Sie bauen ganze Arbeitsabläufe von Anfang bis Ende um, und sie messen die Wirkung in der Gewinn- und Verlustrechnung. Ihr operativer Gewinn wächst 2,8-mal so schnell wie bei den Nachzüglern.

    Für deinen Montag: Bevor bei euch das nächste Tool bewilligt wird, frag, wer es bezahlt und bei wem der Ertrag ankommen soll, und setz beide an einen Tisch.

    A builder in plain work clothes, a cream silhouette, lays a heavy rough stone block as the lowest step of a crooked staircase of four blocks. Above him a man in a suit, a dark violet negative silhouette, stands on a top block that floats without support and cracks apart, shedding crumbling pieces into a tall cream field of dust.

    In eigener Sache: Das AI Native Playbook.

    Was Firmen wie den 493 aus Sløks Grafik fehlt, ist selten das bessere Modell. Meistens fehlt die Reihenfolge. Erst wird die Plattform gekauft, dann ein Agent gebaut, und dann stellt man fest, dass ihm der Kontext fehlt. Messbaren Ertrag bringt KI erst, wenn Prozesse, Rollen und das Wissen stehen, auf dem ein Agent arbeiten kann. Die Technik kommt zum Schluss. Wie das geht, steht im Playbook.

    Diese Woche im Playbook: Kapitel 2 · Die Reihenfolge ist die Strategie – Wer bei der Plattform anfängt, erklärt das Thema nach sechs Monaten für unreif. Unreif war die eigene Firma.

    Am Mittwoch kommt Kapitel 3: Der Agent ist billig. Der Kontext ist teuer. Es geht um die Schicht, die fast keine Firma baut, und um eine Regel, die jedes Meeting betrifft: Eine Entscheidung, die nur im Meeting fiel, existiert für keinen Agenten.

    19 € im Monat oder 150 € im Jahr, mit allen zehn Kapiteln bis zum 9. Dezember und den Quellen-Dossiers zu den Reels. Im Aufsichtsrat für 300 € im Jahr liegt die ganze Serie sofort als PDF bei dir, ohne auf Mittwoch zu warten.

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    Und wenn ihr wissen wollt, an welcher Stelle der Reihenfolge eure Firma gerade hängt: Das klären wir im AI Reality Check, ein Tag vor Ort, eine Woche später der Report. Wer mich lieber auf der Bühne hat, findet Themen und Formate auf stephanbaier.de/keynotes.

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    Bis nächste Woche.

    — Stephan


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    Diese Woche im PlaybookDie AI Native Company · Kapitel 2 · im Abo

    Die Reihenfolge ist die Strategie

    Wer bei der Plattform anfängt, erklärt das Thema nach sechs Monaten für unreif. Unreif war die eigene Firma.

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