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Das Geschäftsmodell lügt nicht.

Das Geschäftsmodell lügt nicht.

· 8 Min Lesezeit
Das Geschäftsmodell lügt nicht.

Meta testet gerade einen KI-Agenten, der für dich beim Friseur anruft. Manchmal ruft dann ein Mensch an.

Das war einer von drei großen Auftritten dieser Woche. Oura geht mit einem Ring an die Börse, den die Kundschaft fast rund um die Uhr trägt. Und in New York haben die CEOs von OpenAI und Anthropic den UN-Sicherheitsrat um gemeinsame Regeln gebeten, einen Tag bevor Altman mit Xi Jinping zu Abend aß.

Ich habe mir in der Beratung eine Reihenfolge angewöhnt. Erst die Gewinn- und Verlustrechnung, dann die Präsentation. Die Präsentation erzählt, was eine Firma sein will. Die GuV erzählt, wovon sie lebt.

Also gibt es diese Woche nur eine Frage: Wer zahlt?

a polished robot butler in a tuxedo presenting a restaurant reservation card on a silver tray, while behind a half-drawn curtain a row of tired call center workers with headsets make the actual phone calls, bold screen print linocut style

Superintelligenz mit Warteschleife

Meta hat am 8. September Muse gestartet, vorerst nur in den USA. Muse ist ein Agent. Er kauft ein, bucht, reserviert und erledigt Termine. Dafür will er Zugriff auf dein E-Mail-Postfach, deinen Kalender, deine Zahlungsmittel, deine Gesundheits- und Fitness-Apps und dein Smart Home (TechCrunch).

Die Leute machen mit. Muse war diese Woche die beliebteste Gratis-App im iPhone-Store und wurde mehr als 2,5 Millionen Mal heruntergeladen. Im Test von CNN hieß der Agent „Pip" und hat ein Date am Freitagabend gebucht (CNN). Die Meta-Aktie lag am Donnerstag mehr als 25 Prozent über dem Stand vor der Ankündigung.

Am Mittwoch kam auf Metas Hausmesse Connect die Hardware dazu. Der Muse Charm ist ein Anhänger mit Fingerabdrucksensor, über den man mit seinem Agenten spricht. CNBC beschreibt ihn als Kreuzung aus einem Tamagotchi-Schlüsselanhänger und einem medizinischen Notrufknopf. Einen Preis gibt es noch nicht. Ausgeliefert werden soll zum Weihnachtsgeschäft (CNBC).

Einen Tag vor der Messe hat 404 Media etwas veröffentlicht, das in keiner Keynote vorkam.

Öffentlich hatte Metas Chief AI Officer Alexandr Wang geschrieben: „we're expanding our phone beta for muse!" Muse ruft also für dich beim Friseur oder im Restaurant an. Intern stand in einem Beitrag an die Belegschaft, man habe eine „human agent layer" eingezogen. Wörtlich: „Muse is now able to hand requests to a trained human agent, who places the call and works it through." (404 Media)

Das läuft bisher als interner Test mit Beschäftigten. Manche Tester haben erst nach dem Anruf erfahren, dass ein Mensch für sie telefoniert hatte. Jemand aus der Belegschaft schrieb ins interne Forum: „This has potential for so much negative PR." Meta sagt, die Funktion komme erst, wenn sie fertig ist, und dann „with the proper disclosures".

Das Modell hinter Muse heißt Muse Spark. Gebaut haben es die Meta Superintelligence Labs (Meta). Die Superintelligenz hängt im Moment also noch in der Warteschleife, und neben ihr sitzt ein Mensch mit Headset.

Jetzt zur Frage, wer zahlt.

Meta hat im zweiten Quartal 60,8 Milliarden Dollar umgesetzt. 59,4 Milliarden davon kamen aus Werbung, also 97,6 Prozent (Meta, Quartalsbericht).

Meta sagt ausdrücklich, dass Muse keine Gespräche und keine Daten an die Werbesysteme weitergibt. Beim Chatbot Meta AI aus demselben Konzern hat Meta die Regeln bereits geändert. Seit dem 16. Dezember 2025 nutzt Meta die Gespräche mit Meta AI, um Inhalte und Werbung zu personalisieren. Widersprechen kann man nicht. Ausgenommen sind nur die EU, Großbritannien und Südkorea (Meta).

Und Zuckerberg hat auf der Connect erklärt, wie Muse Geld verdienen soll: „over time we will profit by taking a small fee from transactions."

Metas stärkstes Hardware-Argument ist die Brille. EssilorLuxottica hat 2025 mehr als sieben Millionen KI-Brillen von Ray-Ban und Oakley verkauft. In den beiden Jahren davor waren es zusammen zwei Millionen (CNBC).

Der Rest der Hardware-Sparte sieht anders aus. Reality Labs hat im zweiten Quartal 431 Millionen Dollar umgesetzt und 4,62 Milliarden operativ verloren. Auf jeden Dollar Umsatz kamen knapp elf Dollar Verlust. Die nächste VR-Brille kommt nächstes Jahr und kostet 1.299 Dollar. Auch Snap will Hardware-Firma werden. Die AR-Brille Specs, im Juni vorgestellt, kostet 2.195 Dollar.

a giant hand wearing a single plain ring holds a small stock exchange building on its open palm, while a line of businessmen in suits walks out of the exchange doors carrying heavy sacks of money, bold screen print linocut style

Der Ring, den keiner abnimmt

Longevity ist das Hobby der Stunde. Eisbad am Morgen, Kältekammer am Nachmittag, Rotlichtmaske am Abend, am Wochenende ein Bluttest.

Das Problem für alle, die in diesen Trend investieren wollen: Die Kältekammer ist ein Laden in deiner Straße. Dein Fitnessstudio hat keine Aktie. Wellness findet lokal statt, und lokal kann man nichts zeichnen.

Diese Woche ändert sich das ein Stück. Oura, der Hersteller des Rings, geht an die Nasdaq, Kürzel OURA. Angeboten werden 50 Millionen Aktien zu 40 bis 44 Dollar, der Preis soll in der Woche ab Montag feststehen. In der Mitte der Spanne wäre Oura rund 13,5 Milliarden Dollar wert (Renaissance Capital).

Der Börsenprospekt ist die beste Quelle, die man über eine Firma bekommt, weil falsche Angaben dort teuer werden. Das steht drin (Oura, S-1):

  • 5,0 Millionen Mitglieder mit bezahltem Abo, doppelt so viele wie vor einem Jahr.
  • Rund 72 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Ihre Zahl wächst seit dem Geschäftsjahr 2024 um rund 143 Prozent pro Jahr, die der Männer um 94 Prozent.
  • Im Median tragen die Abo-Mitglieder den Ring 23 Stunden am Tag.
  • 85 Prozent der Abo-Mitglieder sind nach zwölf Monaten noch dabei.
  • Die App öffnen sie im Schnitt mehr als dreieinhalbmal am Tag.
  • Die Mitgliedschaft kostet in den USA 5,99 Dollar im Monat, die Bruttomarge darauf liegt bei 89 Prozent.
  • In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs: 1,21 Milliarden Dollar Umsatz, 74 Prozent mehr als im Vorjahr, und 60,8 Millionen Dollar Gewinn.

Das Wachstum bei den Frauen führt Oura selbst auf die Funktionen zur Frauengesundheit zurück, allen voran das Zyklus-Tracking.

Zwei Zeilen im Prospekt sollte man mitlesen. Von den 50 Millionen Aktien stammen 36,5 Millionen von Altaktionären. Oura selbst bekommt in der Mitte der Spanne 532,6 Millionen Dollar, davon gehen 526,4 Millionen an Steuerpflichten aus Mitarbeiteraktien. Für die Firma bleiben rund sechs Millionen übrig. TechCrunch nennt den Börsengang deshalb „mostly a payday for existing shareholders" (TechCrunch).

Und die Mitgliedschaft macht bisher nur 20 Prozent des Umsatzes aus. Der Rest kommt aus dem Verkauf der Ringe.

a long formal state dinner table seen from the side, two statesmen in dark suits seated upright at the far ends facing each other with their hands resting on the tablecloth, in the middle of the table a single computer chip lies on a silver platter under a raised cloche, both men eyeing the chip warily, bold screen print linocut style

Super statt künstlich

Am Dienstag hat Donald Trump vor der UN-Generalversammlung das Wort „künstlich" abgeschafft: „From this point forward, all of United States' documents, and hopefully the world's, will be changed to use the much more accurate term, 'super,' as opposed to 'artificial'." (Euronews)

Das Außenministerium hat noch am selben Tag reagiert. Eine Mail an die Abteilung für internationale Organisationen trug den Betreff „Change in Nomenclature AI to SI". „SI" gilt ab sofort in „all remarks, positions and press elements moving forward".

Man kann darüber lachen, den Golf von Mexiko hat Trump auch schon umbenannt. In der Sache hat Trump aber einen Punkt. Die Washington State University hat 2024 in sechs Experimenten mit mehr als 1.000 Erwachsenen in den USA gezeigt: Steht „artificial intelligence" in einer Produktbeschreibung, sinkt die Kaufabsicht. Bei teuren und riskanten Produkten sinkt sie noch stärker (WSU).

Nur ist „Superintelligenz" kein freier Begriff. Nick Bostrom hat ihn 2014 definiert, als „any intellect that greatly exceeds the cognitive performance of humans in virtually all domains of interest". In der Branche ist das die Stufe nach der allgemeinen KI, also das Ziel und nicht der Ist-Zustand. Meta hat sein Labor bereits danach benannt. Es ist das Labor, aus dem Muse kommt.

Am selben Dienstag hat Anthropic Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Eine Million Ausgabe-Token kostet dort 20 Dollar, 20 Prozent weniger als beim Vorgänger (Anthropic). Bei DeepSeek kostet dieselbe Menge im Modell V4 Pro 1,98 Dollar, zur Stoßzeit 3,96 (DeepSeek). Das ist ein Faktor fünf bis zehn.

Am Mittwoch sprachen Sam Altman und Dario Amodei vor dem UN-Sicherheitsrat, Amodei per Video zugeschaltet. Einen Tag nachdem Trump internationale KI-Aufsicht ein „globalist scheme" genannt hatte, baten beide um internationale Zusammenarbeit (CNBC).

Altman erinnerte daran, dass Rivalen in der Geschichte schon öfter zusammengefunden haben, wenn eine mächtige neue Technologie kam: „We believe this must be one of those times." Amodei: „No leader, no company, and no nation can manage this alone."

Am Donnerstag gab Trump ein Staatsbankett für Xi Jinping. Für Xi war es der erste Staatsbesuch in den USA seit mehr als zehn Jahren. Unter den mehr als 100 Gästen waren Sam Altman, Mark Zuckerberg, Elon Musk und Nvidia-CEO Jensen Huang, der am Tisch der beiden Präsidentenpaare saß. Anthropic stand nicht auf der Liste. Serviert wurde Wolfsbarsch in Sesamkruste auf Pak Choi (CNBC).

China hatte vor dem Gipfel geliefert. Huawei hat seinen nächsten KI-Chip um drei Quartale vorgezogen, Alibaba einen neuen Prozessor vorgestellt, und DeepSeek soll den größten bekannten Cluster aus Huawei-Chips aufgebaut haben. Lizzi Lee vom Asia Society Policy Institute fasst Xis Botschaft so zusammen: „you can't simply technologically choke us off". Laut Chris Miller, bekannt durch das Buch „Chip War", machen amerikanische Firmen wie Anthropic und OpenAI aber 50- bis 100-mal so viel Umsatz wie vergleichbare chinesische (CNBC).

In eigener Sache: Beratung und Keynotes.

Genau diese Rechnung mache ich beruflich. Strategie- und KI-Sparring für Vorstand, Geschäftsführung und Aufsichtsrat. Keine Folienschlacht, keine Folgeauftrag-Logik, eine zweite Meinung, die nicht auf der Payroll des CEO steht.

Und ich stehe wieder auf Bühnen. Diese Woche habe ich eine Keynote gehalten, und es hat richtig Spaß gemacht. Wer für sein Event, seinen Kongress oder die nächste Führungskräftetagung Bock auf eine Keynote über KI, Macht und Geld hat, meldet sich einfach. Themen und Formate stehen auf stephanbaier.de/keynotes.

Ich antworte persönlich, in der Regel innerhalb von 48 Stunden.

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Bis nächste Woche.

— Stephan


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