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Zeig mir den Umsatz.

Ausgegeben. Abgestraft. Abgebaut.

· 7 Min Lesezeit
Zeig mir den Umsatz.

Letzte Woche endete dieser Newsletter mit einem Satz, der wie eine Prognose klang: Meta, Microsoft und Amazon legen nächste Woche ihre Zahlen vor, es wird dieselbe Kurve sein.

Sie haben geliefert, alle drei, innerhalb von 48 Stunden. Nur ist diesmal etwas dazugekommen. Die Börse hat aufgehört, auf den Umsatz zu schauen, und angefangen, auf den freien Cashflow zu schauen. Damit steht plötzlich eine Frage im Raum, die drei Jahre lang niemand gestellt hat: Geht die Wette am Ende überhaupt auf?

Drei Zahlen ziehen sich durch die Woche. 784 Millionen. 8.000 Stellen. 43 Prozent. Silicon Valley, München, Beratungsbranche. Dieselbe Geschichte.

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Am Mittwochabend war die Kulanz vorbei.

Meta meldete am 29. Juli ein Rekordquartal. Umsatz 60,8 Milliarden Dollar, plus 28 Prozent. Und dann die Zeile darunter: Der freie Cashflow, also das Geld, das nach allen Rechnungen übrig bleibt, lag bei 784 Millionen. In den acht Quartalen davor waren es im Schnitt rund zwölf Milliarden (Fortune). Investitionen von 31,1 Milliarden haben den operativen Cashflow von 31,9 Milliarden fast vollständig aufgefressen. Die Aktie fiel nachbörslich um zehn Prozent.

Einen Tag später Amazon, das erste 200-Milliarden-Quartal der Firmengeschichte. Der freie Cashflow ist dort über zwölf Monate von einem Zufluss von 18,2 Milliarden auf einen Abfluss von 7,6 Milliarden gekippt. Den Grund schreibt Amazon selbst in die Mitteilung: 66,1 Milliarden mehr für Sachanlagen, und das spiegele »primarily investments in artificial intelligence« (Amazon Q2). Die Aktie stieg trotzdem um neun Prozent. Der Unterschied heißt AWS: plus 37 Prozent auf 42,2 Milliarden, das schnellste Wachstum seit 18 Quartalen.

Microsoft meldete am selben Abend 41 Milliarden Investitionen allein im Quartal und rund 175 Milliarden für Investitionen und Finanzierungsleasing im Geschäftsjahr 2026 (CNBC). Alphabet lag vergangene Woche bei minus 5,9 Milliarden.

Und dann ist da Apple. Umsatz 109,4 Milliarden, plus 16 Prozent, Bruttomarge 50,1 Prozent (Apple Q3). Investitionen in neun Monaten: 6,8 Milliarden. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 9,5 (Apple 10-Q). Apple hat seine Investitionen also um gut ein Viertel gesenkt, während die anderen ihre vervielfachen. Die KI kommt großteils lizenziert von Google, und Apple stellt sich einfach daneben. Die Aktie fiel auch, aber wegen Lieferengpässen im September-Quartal, nicht wegen der Wette.

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Eine Milliarde ausgeben, um eine Milliarde zu sparen.

BMW hat diese Woche das größte Freiwilligenprogramm seiner Geschichte angekündigt. Rund 8.000 Stellen weltweit fallen weg. Von Oktober 2026 bis Ende 2027 bekommen Mitarbeiter außerhalb der direkten Produktion ein Abfindungsangebot, dessen Höhe sich nach Gehalt und Betriebszugehörigkeit richtet (ecomento). Von 154.000 Beschäftigten arbeiten gut 84.000 in Deutschland.

Die Rechnung dahinter: BMW stellt rund eine Milliarde Euro zurück und erwartet ab 2028 eine Ersparnis von rund einer Milliarde Euro pro Jahr (Euronews). Ausgelöst hat das eine Gewinnwarnung im Juni wegen China, abgegeben von Milan Nedeljković, der erst im Mai von Oliver Zipse übernommen hatte. Er war einen Monat im Amt.

BMW ist dabei der letzte große deutsche Autobauer, der das Programm zieht, nicht der erste. BASF hat seit Januar 2024 rund 7.000 Stellen abgebaut. Über alle DAX-Konzerne hinweg gingen im ersten Quartal rund 31.000 Stellen verloren, bei 3,7 Prozent weniger Umsatz. Banken und Versicherer steigerten im selben Quartal ihre Gewinne um 15,9 Prozent auf Rekordniveau (EY-Analyse).

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Die Branche, die den Wandel verkauft, hat ihn selbst nicht angefangen.

Im Juli ist die neue Lünendonk-Liste erschienen, die jährliche Vermessung des deutschen Beratungsmarktes. Die Überschrift lautet »Konsolidierung statt Wachstum«.

Der Markt ist 2025 von 48,7 auf 49,0 Milliarden Euro gewachsen, also um 0,6 Prozent. Die zwanzig größten deutschen Beratungen legten im selben Zeitraum um 4,1 Prozent zu, nach 7,5 Prozent im Vorjahr (Lünendonk). Ein Markt, der stillsteht, in dem die Großen trotzdem wachsen. Sie nehmen es sich gegenseitig weg.

Und dann steht da die Zahl, die in der Branche niemand laut vorliest. Auf die Frage, wie sich KI auf die eigene Preisgestaltung auswirkt, antworten 43 Prozent: bislang gar nicht. Weltweit führt inzwischen Deloitte mit 38,7 Milliarden Euro Beratungsumsatz, Accenture folgt mit 31,1. McKinsey liegt mit 15,5 Milliarden auf Platz fünf.

Drei Etagen, ein Muster. Oben wird Geld ausgegeben, ohne die Zeile zu zeigen, in der es zurückkommt. In der Mitte wird gespart und dabei das Falsche eingespart. Und die, die es hätten kommen sehen müssen, verkaufen eine Transformation, die sie selbst nicht angefangen haben.

Wenn du nächste Woche in eine Budgetrunde gehst: Berichte keinen Fortschritt, berichte Ertrag. »Wir haben es ausgerollt« ist eine Tätigkeit. »Es hat X gebracht« ist ein Ergebnis. Und schreib heute auf, woran ihr in sechs Monaten seht, dass das Geld zurückkommt. Sonst redet ihr im Januar über Kosten statt über Wachstum.

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BoB liest du sonntags und hörst du mittwochs. BoB buchst du, wenn bei euch Geld in KI fließt und keiner sauber sagen kann, an welcher Zeile man in einem Jahr sieht, ob es funktioniert hat. Oder wenn der Sparkurs beschlossen ist und die Wachstumsgeschichte noch fehlt. Keynote, Sparring, KI-Strategie-Sprint. Alles drei mit Zahlen statt Buzzwords.

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Wer den BoBletter weiterempfehlen will, leitet ihn einfach weiter oder schickt jemandem stephanbaier.de.

🎙 Diese Woche im Pod: Voll und trotzdem leer — ein KI-Lab kauft eine Astrologie-App, und wir rechnen nach, was Aberglaube an der Börse tatsächlich kostet. Passt zu oben: viel Output, wenig Wert. Jeden Mittwoch neu: Spotify · alle Plattformen auf stephanbaier.de/podcast.

Bis nächsten Sonntag. Peace.

— Stephan


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