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Wem der Durchgang gehört.

Nvidia kauft die Bibliothek. Korea kauft den Zugang.

· 9 Min Lesezeit
Wem der Durchgang gehört.

Nvidia hat am Donnerstag 12,9 Milliarden Dollar für Hugging Face geboten.

Falls du die Firma nicht kennst: Das ist die Plattform, auf der die KI-Welt ihre Modelle ablegt und findet. GitHub, nur für KI. Umsatz im Jahr: 150 Millionen. Nvidia zahlt das Achtzigfache.

Der eigentliche Witz steht in der Investorenliste. AMD, Intel und Qualcomm haben da mit drin gesteckt. Sie haben mitbezahlt, dass diese Plattform entsteht. Jetzt gehört sie ihrem größten Konkurrenten.

Das passiert nicht nur im Silicon Valley. In derselben Woche haben China, Südkorea und die USA im Kern dasselbe getan. Keiner von ihnen hat ein Produkt gekauft.

Und Deutschland kommt in allen vier Geschichten vor. Jedes Mal als der, der liefert.

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Nvidia kauft nicht die Modelle. Nvidia kauft das Regal.

Am Donnerstag meldete The Information, dass Nvidia Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar übernimmt. Bestätigt hat den Deal bisher keine der beiden Seiten (heise).

Wer Hugging Face nicht kennt: Das ist das GitHub der KI. Die Plattform hostet inzwischen rund 2,9 Millionen öffentliche Modell-Repositories, etwa eine Million Datensätze und 1,4 Millionen Demo-Apps. Über 50.000 Organisationen legen dort ab (Hugging Face). Wenn irgendwo auf der Welt ein Entwickler ein offenes Modell sucht, geht er nicht zu Google. Er geht dorthin.

Jetzt die Zahl, die den Preis erklärt — oder eben nicht. Hugging Face kommt auf einen annualisierten Umsatz von gut 150 Millionen Dollar. Das sind ungefähr 80-mal Umsatz. Zum Vergleich: Ende 2025 bot Nvidia 500 Millionen bei einer Bewertung von 7 Milliarden. Hugging Face lehnte ab, mit der Begründung, man wolle keinen einzelnen dominanten Investor, der zu viel Einfluss auf Entscheidungen nehmen könne (heise).

Acht Monate später: 12,9 Milliarden, volle Übernahme.

Bei 80-fachem Umsatz kauft niemand einen Umsatz. Da kauft jemand eine Position.

Und jetzt der Teil, den man einmal laut lesen sollte. Zu den Altinvestoren von Hugging Face gehören Salesforce, Google, Amazon, Intel, AMD, Qualcomm, IBM — und Nvidia selbst, seit 2023 (heise).

AMD und Intel haben mitfinanziert, dass die Bibliothek gebaut wird. Die Bibliothek gehört jetzt ihrem Konkurrenten.

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295.000 gegen 27.000. Und wir reden über Humanoide.

TechCrunch hat am Freitag aufgeschrieben, dass die chinesischen Autobauer Teslas Wette kopieren: Roboter als nächste Gewinnmaschine. Xpengs Robotik-Einheit hat über 900 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 6,3 Milliarden eingesammelt, die Gründer He Xiaopeng und Brian Gu haben rund 100 Millionen privat mitgezeichnet. Chery, BYD, Changan, GAC, Li Auto, SAIC und Seres bauen ebenfalls Humanoide (TechCrunch).

Die Begründung liefert der Branchenkenner Michael Dunne in einem Satz: Im Autogeschäft sieht er auf absehbare Zeit hauchdünne Margen. Roboter sehen deutlich vielversprechender aus.

Wir haben das im Podcast diese Woche schon auseinandergenommen, und ich bleibe dabei: Der humanoide Roboter, der in der Fabrik echtes Geld verdient, ist weiter weg, als die Videos vermuten lassen. Hyundai will Boston Dynamics' Atlas dieses Jahr in sein Werk in Georgia stellen — die Zielaufgabe, Teile sortiert bereitzustellen, ist für 2028 angesetzt (TechCrunch). Drei Jahre für eine Aufgabe, die ein Mensch am ersten Tag kann.

Deshalb steht die entscheidende Zahl auch nicht in diesem Artikel. Sie steht bei der International Federation of Robotics.

China hat 2024 295.000 Industrieroboter neu installiert. Plus 7 Prozent, der höchste je gemessene Wert, 54 Prozent der weltweiten Nachfrage. Der Bestand liegt bei über zwei Millionen Einheiten. Deutschland, größter Robotermarkt Europas, kam im selben Jahr auf 27.000 Installationen. Minus 5 Prozent (IFR).

Elf zu eins. Und die kleinere der beiden Zahlen ist die, die schrumpft.

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Korea verschenkt KI. Und schreibt vor, wessen KI.

Am Donnerstag hat Südkorea drei Konsortien ausgewählt, die allen Bürgern kostenlose KI-Dienste bereitstellen sollen — mit unbegrenzter Nutzung. SK Telecom baut einen Mehrkanal-Dienst über App, Web, Telefon und SMS. KT verzahnt öffentliche und kommerzielle Dienste. Kakao macht KakaoTalk zum Eingang für Anträge, Reservierungen und Zahlungen (implicator.ai).

Vereinbarungen im September, Beta danach, Vollstart bis Jahresende. Über 20 Millionen Koreaner nutzen schon heute Gratisversionen generativer KI. Das Gesamtbudget ist nicht veröffentlicht; ab 2027 übernimmt der Staat einen Teil der laufenden Betriebskosten.

Zwei Details sind die eigentliche Nachricht.

Erstens die Quote. Mindestens 50 Prozent der Modellnutzung muss auf koreanische Foundation Models entfallen, mindestens 30 Prozent auf inländische Modelle außerhalb des jeweiligen Betreibers. Ausländische Modelle sind für begrenzte Funktionen erlaubt — bekommen aber kein Fördergeld (implicator.ai).

Zweitens die Hardware. Für 2026 verteilt das Ministerium 512 Nvidia B200. Das bestplatzierte Konsortium bekommt 256, die beiden anderen je 128.

Korea verschenkt den Zugang. Die Maut geht nach Santa Clara.

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Hormuz, Tag 182. Und die Reserve ist auf dem Stand von 1982.

Im April stand hier, dass Hormuz dicht ist und es weiter eskaliert. Fünf Monate später ist die Meerenge immer noch effektiv zu.

Ende August lagen 425 Schiffe auf Position, ohne Liegeplatz. Anfang Mai waren über 1.550 Handelsschiffe und rund 22.500 Seeleute in und um die Meerenge festgesetzt; im April lief der Verkehr bei etwa 5 Prozent des Vorkriegsniveaus (UN News). Die IRGC-Marine erklärt die Straße für gesperrt ohne iranische Freigabe, CENTCOM erklärt sie für offen, und die Reedereien glauben keinem von beiden. Verhandlungen: festgefahren.

Was das mit Amerika gemacht hat, steht in einer einzigen Zahl.

Die strategische Ölreserve der USA lag in der Woche zum 21. August bei 289,7 Millionen Barrel. Das ist der tiefste Stand seit November 1982. Vor dem Angriff auf Iran Ende Februar waren es rund 415 Millionen; im März gab Trump eine Freigabe von 172 Millionen Barrel frei, nachdem Iran den Verkehr durch Hormuz einschränkte. Aktuell entspricht das 40,6 Prozent der genehmigten Kapazität. Das Energieministerium nannte im Juli rund 70 Millionen Barrel als tatsächliche Betriebsuntergrenze, und Fachleute warnen, dass die schnelle Entnahme die Salzkavernen beschädigen kann, in denen das Öl lagert (CNBC).

Und am Freitag dann die Lösung. Trump verkündet ein Abkommen mit Venezuela: Die USA übernehmen 55 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen mit einem privaten venezolanischen Betreiber und bekommen damit Zugriff auf über 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Reserven. Außenminister Rubio spricht von großen Vorteilen auch für Venezuela (tagesschau, NPR). Das Öl soll helfen, die Reserve wieder aufzufüllen. Nur dauert das (CNN).

Vier Meldungen, eine Rechnung

Nvidia zahlt 80-fachen Umsatz für ein Verzeichnis. Chinas Fabriken installieren elfmal so viele Roboter wie unsere. Korea verschenkt KI und schreibt die Herkunft der Modelle vor. Amerika kauft sich in Ölfelder ein, weil eine Meerenge zu ist.

In allen vier Fällen ist das Produkt austauschbar und der Durchgang nicht.

Die deutsche Position in dieser Aufzählung ist die des Zulieferers. Wir bauen exzellente Teile für Prozesse, die anderen gehören. Wir haben hervorragende Forschung in Modellen, die auf fremder Hardware laufen. Wir haben eine Industrie, die weiß, wie Automatisierung geht, und eine Installationszahl, die fällt.

Die bessere Technologie bauen wir oft. Die Frage für die nächsten fünf Jahre ist, ob irgendetwas davon eine Stelle ist, durch die jemand anderes durchmuss.

🎙 Diese Woche im Pod: „Wir verkaufen billig und kaufen teuer zurück" — Nivea, der MHP-Ausverkauf und die Roboter-WM in Peking, an der wir genau nichts verdienen. Jeden Mittwoch neu: Spotify · alle Plattformen auf stephanbaier.de/podcast.

Bis nächste Woche.

— Stephan


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