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Luxus ohne Mehrwert.

Aufgeschlagen. Abkassiert. Aufgebraucht.

· 7 Min Lesezeit
Luxus ohne Mehrwert.

Heute schreibe ich aus Ligurien. Und hier passt diese Woche etwas echt nicht zusammen.

Der Ort ist voll. Hotels ausgebucht, abends kriegst du ohne Reservierung keinen Tisch. Nur am Strand ist keiner. Reihenweise Schirme, aufgespannt, unbesetzt, erste Augustwoche.

Drei Zahlen ziehen sich durch diese Woche. 60 Millionen. 1,4 Billionen. 52 Monate. Ein Strand, ein Gerichtssaal, ein Waffenlager. Und jedes Mal dieselbe Mechanik: Der Impact ist sofort da. Die Rechnung kommt später. Manchmal kommt sie nie.

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Der Schirm kostet 340 Euro. Der Schatten ist der gleiche wie 2019.

Eine knappe Autostunde von hier liegt Alassio. Teuerster Strandabschnitt Italiens, sagt die Verbraucherorganisation Altroconsumo. 340 Euro für einen Schirm und zwei Liegen. Für eine Woche im August. Der Landesschnitt liegt bei 225. Über alle 222 untersuchten Strandbäder sind die Preise dieses Jahr um sechs Prozent gestiegen, in fünf Jahren um 24 Prozent (Altroconsumo).

Und jetzt die Gegenrechnung. 35 Prozent der Befragten gehen inzwischen bevorzugt an den freien Strand. Der meistgenannte Grund, von 79 Prozent: Er kostet nichts.

Die Leute sind also da. Sie zahlen nur keine 340 Euro mehr dafür, ihr eigenes Handtuch woanders hinzulegen. Hier in Ligurien und unten in Apulien lassen die ersten Gemeinden die Konzessionen auslaufen und geben die Strände zurück.

Das ist kein italienisches Strandproblem. Das ist der Deal, den das ganze Luxussegment seit Jahren anbietet: mehr Preis, gleiche Leistung, und den Unterschied soll das Gefühl machen.

Der Markt hat mitgezählt. 2022 haben weltweit rund 400 Millionen Menschen Luxus gekauft. 2025 waren es noch 340 Millionen. 60 Millionen weg in drei Jahren. Die, die geblieben sind, kaufen auch seltener: Der Anteil der aktiven Käufer fiel von rund 60 Prozent auf 40 bis 45 Prozent (Bain & Altagamma). Wer geht, ist auch klar: Die Superreichen tragen das Geschäft weiter, ausgestiegen sind die anderen.

Bei LVMH steht das in der Bilanz. Im ersten Halbjahr 38,6 Milliarden Euro, drei Prozent unter Vorjahr, organisch zwei Prozent drüber, Marge stabil (LVMH). Kein Absturz. Aber das Haus zerfällt in zwei Hälften. Mode und Leder, das Geschäft mit denen, die sich Luxus leisten wollen, fiel auf 18,1 Milliarden und minus fünf Prozent. Uhren und Schmuck, das Geschäft mit denen, die ihn sich leisten können, machte organisch plus neun Prozent.

Die Börse hat längst sortiert. Die Aktie stand im Mai 2023 bei 883 Euro, diese Woche bei 482. Das sind 45 Prozent weg in gut drei Jahren.

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Erst Tabak, dann Opioide, jetzt Instagram.

Ein Gericht in Santa Fe hat diese Woche ein Endurteil gegen Meta gesprochen. 567 Millionen Dollar gegen die Jugend-Gesundheitskrise im Bundesstaat, dazu Auflagen unter Gerichtsaufsicht, fünf Jahre lang. Mit der Strafe aus dem ersten Verfahrensteil sind es 942 Millionen (New Mexico Department of Justice).

Die Auflagen liest man besser einzeln. Für unter 18-Jährige in New Mexico gilt künftig: nachts keine Push-Nachrichten mehr. Verbindliche Zeitlimits. Öffentliche Like-Zahlen ausgeblendet. Keine Nacktbilder senden oder empfangen. Und Meta muss dem Gericht zweimal im Jahr öffentlich berichten, wie weit es damit ist.

Der Weg dahin ging über zwei Etappen. Erst stellte eine Jury 75.000 Verstöße gegen das Verbraucherschutzgesetz fest und verhängte die Höchststrafe, 375 Millionen. Dann ging das Gericht weiter und erklärte Metas Plattformen zur public nuisance, zur öffentlichen Belästigung. Mit genau dieser Konstruktion haben die USA die Tabakindustrie drangekriegt und danach die Opioidhersteller. Man muss keinem einzelnen Kind einen Schaden nachweisen. Es reicht, dass ein Produkt der Allgemeinheit schadet.

Und dann kam der Satz, auf den es wirklich ankommt. Das Gericht hat Metas Berufung auf Section 230 abgewiesen, den Paragrafen, hinter dem sich die Plattformwirtschaft seit dreißig Jahren wegduckt. Begründung: Es geht hier nicht um fremde Inhalte. Es geht um ein Produkt, das Meta wissentlich selbst so gebaut hat. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist das das erste Mal überhaupt, dass ein Gericht eine Social-Media-Firma dafür haftbar macht.

Attorney General Raúl Torrez dazu: »Meta hat Produkte gebaut, von denen es wusste, dass sie süchtig machen, die Jugendkrise vertiefen und Kinder sexueller Ausbeutung aussetzen. Und hat Eltern und Politik dann darüber belogen.«

Meta hat Berufung angekündigt. Rechtskräftig ist also noch nichts.

Am Mittwoch beginnt trotzdem der nächste Prozess, in Oakland. Dort klagen Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey, und die vier fordern zusammen 1,4 Billionen Dollar. Verstöße mal gesetzliches Bußgeld, fertig ist die Rechnung. Öffentlich wurde die Zahl, weil Meta sie selbst ins Verfahren geschrieben hat, mit dem Hinweis, eine Strafe dieser Größe habe es im Verbraucherschutz noch nie gegeben. Meta rechnet in derselben Eingabe vor, dass das ungefähr dem gesamten Börsenwert des Konzerns entspricht. Rund 1,5 Billionen.

Die Aktie fiel nachbörslich um weniger als ein halbes Prozent.

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Fünf Monate schießen. Zwei Jahre nachbauen.

Die Straße von Hormuz hatten wir hier schon dreimal, zuletzt im Juni. Der Satz war jedes Mal derselbe: Wer seine Kosten von dieser einen Meerenge abhängig macht, plant auf Hoffnung. Und Hoffnung ist keine Strategie.

Diese Woche stritt Washington öffentlich darüber, wie leer die eigenen Lager sind. Trump nennt die Berichte falsch, man habe mehr Munition als jeder andere auf der Welt.

Nachgezählt hat das CSIS in Washington schon im April, beim damaligen Waffenstillstand. Ergebnis für sieben Schlüsselmunitionen: Bei vier davon dürften die USA mehr als die Hälfte des Vorkriegsbestands verschossen haben. Über 1.000 Tomahawk. Rund 1.100 JASSM-ER. Bei der PrSM meldet ein Armee-Vertreter den kompletten Bestand (CSIS).

Und jetzt die Gegenrichtung. Diese Lager wieder aufzufüllen dauert ein bis vier Jahre. Muss dafür wirklich neu produziert werden, vergehen von der Bewilligung im Kongress bis zur ausgelieferten Rakete rund 52 Monate.

Der Krieg läuft seit dem 28. Februar. Fünf Monate.

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Bis nächsten Sonntag. Peace.

— Stephan


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