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Die Hürde und der Exit.

Wohin dein Geld fließt. Und wohin nicht.

· 9 Min Lesezeit
Die Hürde und der Exit.

Heute drei Dinge. Erst kurz in eigener Sache. Dann die zwei großen Geschichten der Woche, eine aus Frankfurt, eine aus dem Silicon Valley. Sie sehen aus wie zwei Welten und erzählen doch dieselbe Geschichte: wohin das Geld gerade fließt, und wer am Ende die Rechnung zahlt. Zum Schluss drei kurze fürs Radar.

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Der BoBcast ist da.

Es gibt jetzt einen Podcast: den BoBcast. Business ohne Bullshit zum Hören, jeden Mittwoch, rund eine Stunde, drei Wirtschaftsthemen. Ich mache ihn mit Julia Jung: Marketing- und Brand-Expertin, langjährige Freundin und endlich jemand, der mir widerspricht. Ich kenne die Vorstandsetagen, sie kennt die Markenmaschinerie dahinter. Boardroom trifft Brand. Das Prinzip kennst du aus diesem BoBletter, nur zum Hören und mit einem Gegenüber.

Hier hörst du rein

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Wenn du in 10 Sekunden helfen willst: Folg dem BoBcast und lass 5 Sterne da. Je sichtbarer der Start, desto schneller landet er bei den Leuten, für die er gemacht ist.

Und damit du weißt, wie wir ticken: zwei Geschichten dieser Woche, so wie wir sie im BoBcast auseinandernehmen würden.

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Lagarde bremst die Falschen.

35.000 Stellen bei VW. 22.000 bei Bosch. 14.000 bei ZF. Und die EZB macht ausgerechnet jetzt die Investitionskredite teurer. Timing wie ein Notarzt, der erst die Blumen gießt.

Am 11. Juni hat die Europäische Zentralbank zum ersten Mal seit fast drei Jahren die Zinsen wieder angehoben. Alle drei Leitsätze rauf um 25 Basispunkte, der Einlagensatz von 2,0 auf 2,25 Prozent, gültig ab 17. Juni (Bundesbank). Der Grund: Die Inflation ist zurück, im Mai bei 3,2 Prozent im Euroraum. Treiber sind die Energiepreise, hochgeschossen durch den Krieg im Nahen Osten und den Ölpreis (LBBW).

Erst die Lüge im Wort „Bremse". Inflation 3,2, Zins 2,25. Macht einen Realzins von minus 0,95 Prozent. Lagarde tritt auf die Bremse, nur ist da gar kein Pedal. Bei negativem Realzins bremst niemand. Das ist Symbolpolitik mit Pressemitteilung.

Und sie bremst die Falschen. Die Inflation kommt aus Energie, aus dem Nahen Osten. Ein Leitzins gegen importierte Energie-Inflation ist ein Gartenschlauch gegen ein Gasfeuer. Den Ölpreis senkt er nicht. Wo er ankommt, ist im Investitionskredit von Bosch.

Jetzt der Teil, den keiner sagt. Eine Zinserhöhung killt ein Projekt nie über die 0,25 Prozent Mehrkosten. Die sieht kein Finanzvorstand. Sie killt es über die Hürde, die jedes Investment erst überspringen muss, bevor es genehmigt wird. Zins rauf, Hürde rauf. Und das Erste, was unter der höheren Hürde rausfällt, ist nie das Sparprogramm. Es ist immer das neue Werk. Die Industrieaufträge waren im April schon 3,8 Prozent schwächer, im Auto-Bereich 5,3 Prozent (Destatis). Die Hürde steigt also genau in die Schwäche hinein.

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Du bist der Exit.

Vor zwei Wochen habe ich hier geschrieben, wie Anthropic die Angst vor der eigenen KI verkauft, drei Tage nach dem Börsengang-Antrag. Diese Woche kamen zwei Pointen dazu. Die eine zeigt, wie das Geld reinkommt. Die andere, wie schnell es wieder weg sein kann.

Zuerst das Geld. Gestern ging SpaceX an die Börse, der größte Börsengang der Geschichte. Ausgabepreis 135 Dollar, eingesammelt wurden rund 75 Milliarden Dollar über mehr als 555 Millionen Aktien (CNBC). Dann der erste Handelstag. Die Aktie schoss zeitweise über 30 Prozent hoch, kurz war SpaceX mehr als 2,25 Billionen Dollar wert und Elon Musk der erste Billionär der Welt. Zum Handelsschluss stand noch ein Plus von 19 Prozent, bei 160,95 Dollar (NPR). Erst über 30 Prozent rauf, dann ein gutes Drittel des Sprungs wieder abgegeben, am selben Tag.

Und SpaceX ist nur der Anfang. OpenAI peilt den September an, Anthropic den Oktober bei 965 Milliarden Dollar. Zusammen drängen die drei mit über 3,6 Billionen Dollar auf die öffentlichen Märkte (Yahoo Finance).

Hier ist die Frage, die bei jedem Börsengang zählt. Wer früh drin war, die Wagniskapitalgeber, die Gründer, die Fonds aus der zehnten Finanzierungsrunde, braucht irgendwann einen Ausgang. Ein Börsengang ist dieser Ausgang. Die Frühen verkaufen. Und einer muss kaufen. Das ist der öffentliche Markt. Dein Indexfonds. Deine Altersvorsorge.

Genau das hast du gestern live gesehen. Die 75 Milliarden gingen zum Ausgabepreis an die Firma und die frühen Anteilseigner. Wer im Hype auf dem Hoch bei über 175 Dollar kaufte, hielt am Abend ein Papier, das schon wieder fiel. Ein Kurs, der am ersten Tag erst 30 Prozent macht und dann zerbröselt, ist kein Aufbruch. Das ist die Übergabe. Bei Bewertungen, die jeden bisherigen Rekord brechen, bist nicht du der clevere Investor, der früh dabei ist. Du bist der, dem die Frühen verkaufen. Du bist der Exit.

Und während dir der Ausgang als Einstieg verkauft wird, hat diese Woche der Staat gezeigt, wie fragil das Ding eigentlich ist. Am 12. Juni zwang eine Export-Direktive der US-Regierung Anthropic, seine zwei stärksten Modelle, Fable 5 und Mythos 5, weltweit abzuschalten. Für alle Kunden. Über Nacht. Weil die Firma ausländische Nutzer nicht in Echtzeit vom Rest trennen kann, ging einfach alles vom Netz (CNBC, Axios). Auslöser: Jemand hatte einen Weg gefunden, die Cyber-Fähigkeiten von Mythos zu knacken, und das hat in Washington die Alarmglocken ausgelöst.

Lies das nochmal. Ein Produkt, das eine Regierung per Brief über Nacht weltweit deaktivieren kann. Das ist das Asset, das gerade zu 965 Milliarden an die Börse kommt. Und die Regulierung, von der alle sagten, sie komme erst in Jahren, kam diese Woche in einer einzigen Anordnung. Der Burggraben dieser Firmen ist nicht mehr nur Geld und Talent. Er ist eine Exportlizenz, die der Staat jederzeit kassieren kann.

Zwei Geschichten, eine Logik. In Frankfurt steigt die Hürde für das, was echte Wertschöpfung schafft: ein Werk, das fünfzehn Jahre trägt. An der Börse fällt sie für das, was eine E-Mail aus Washington über Nacht beenden kann. Kapital flieht aus dem Realen ins Abschaltbare, und in beiden Fällen ist die Frage dieselbe, die wir uns im BoBcast jede Woche stellen: Wer verdient, und wer zahlt? Beantworte sie, bevor jemand sie für dich beantwortet.

Themen der Woche

Drei, die es nicht in die lange Analyse geschafft haben, aber dein Radar verdienen.

Stuttgart 21 wird Stuttgart 31 Der Bahnhof öffnet jetzt frühestens 2031, und die Kosten laufen immer weiter:

  • 2,5 Mrd. € ursprünglich geplant
  • 4,5 Mrd. € zu Baustart 2010
  • 14 Mrd. € der Kurs, auf den es jetzt zusteuert
  • 1.000+ km Kabel falsch verlegt, einer der Gründe für die neue Verzögerung (Tagesspiegel)

Das Fünfeinhalbfache vom ursprünglichen Preis, im Land, das sich für seine Ingenieurskunst feiert. Das Fiasko ist kein Unfall. Es war die Bestellung.

DAX nahe Rekord, Industrie in der Krise Der Leitindex notiert nahe seinem Allzeithoch von über 25.500 Punkten aus dem Januar, und die DAX-40 haben im ersten Quartal sogar mehr verdient. Nur kommt der Gewinn nicht aus dem, was Deutschland mal ausgemacht hat (Handelsblatt):

  • EBIT +4,4 %, aber Umsatz minus 3,7 %: verdient wird durchs Sparen, nicht durchs Verkaufen
  • getragen von der Finanzbranche (+15,9 %), die Industrie nur +0,5 %, alle Autobauer im Minus
  • EYs Urteil: „das Geschäftsmodell des einstigen Exportweltmeisters funktioniert nicht mehr"

Der Index misst, was 40 Konzerne weltweit verdienen, nicht, was im Land passiert. Papierreichtum oben, Substanz unten. Das hast du in dieser Ausgabe schon zweimal gelesen. Hier ist es ein drittes Mal.

Deutschland unterschreibt eine Absicht Am 8. Juni haben Bund, Länder, Kommunen und die Chefs der Telekom-Branche mit dem Digitalminister eine „Absichtserklärung" für schnelleren Infrastruktur-Ausbau unterzeichnet, die Branche stellt für 2026 rund 11 Milliarden Euro Investitionen in Aussicht. Eine Absichtserklärung ist juristisch das, was ein Neujahrsvorsatz fürs Fitnessstudio ist. Bei einem Land, dessen bekanntestes Bauprojekt gerade Punkt eins dieser Liste ist, würde ich auf den Beton warten, nicht auf die Pressemitteilung.

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BoB liest du sonntags und hörst du mittwochs. BoB buchst du, wenn dein Vorstand „KI-Strategie" sagt und keiner im Raum unterscheiden kann, was Substanz ist und was nur ein teurer Ausgang für andere Leute. Keynote, Sparring, KI-Strategie-Sprint. Alles drei mit Zahlen statt Buzzwords.

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Bis nächste Woche. Peace.

— Stephan


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