44 Prozent der Gen Z-Mitarbeiter sabotieren aktiv die AI-Rollouts ihrer eigenen Firma. Sie tippen falsche Prompts ein. Sie produzieren absichtlich schlechte Outputs, damit das Tool dumm wirkt. Sie schreiben in Performance-Reviews Beweise zusammen, dass die KI nichts taugt. Sie laden Firmendaten in unfreigegebene Tools, weil ihnen die offiziellen Tools verdächtig vorkommen.
So die Writer-Workplace-Intelligence-Studie vom April. 2.400 Befragte, 1.200 Knowledge Worker und 1.200 C-Level-Executives, in den USA, UK und Europa.
29 Prozent quer durch alle Generationen. Bei Gen Z 44.
Der Grund: 30 Prozent sagen offen, sie haben Angst um den Job. Sie schauen ihre Vorgesetzten an, die mit der Technologie spielen, die in den nächsten zwölf Monaten ihre Stellen automatisieren soll, und entscheiden sich für die einzige Form von Widerstand, die ihnen bleibt. Stilles Sabotieren.
Die Gegenbewegung kommt aus dem C-Level. 60 Prozent der Executives sagen in derselben Studie: Wer AI nicht annimmt, fliegt zuerst. 77 Prozent: Keine Promotion mehr für AI-Verweigerer. Catch-22 in Reinkultur. Adopter werden ersetzt, Non-Adopter werden gefeuert. Niemand gewinnt, außer die Tools selbst.
Dann kommt der Knall. 75 Prozent der Executives geben in derselben Studie zu, ihre eigene AI-Strategie sei „more for show than a meaningful guide to outcomes". Drei Viertel wissen, dass ihr Programm Theater ist. Trotzdem ziehen sie es durch.
Gen Z hat Recht. Empirisch. Jack Dorseys Block-Layoff Ende Februar mit der Begründung „AI macht euch unnötig" hatten sie alle im Newsfeed. Die Mechanik dahinter ist simpel: Firma A spart Lohnkosten durch AI. Die entlassenen Mitarbeiter kaufen weniger. Das spürt Firma B als sinkende Nachfrage und entlässt selbst. Reihum. Du als Mitarbeiter zahlst doppelt: erst mit dem Job, dann mit dem Konsum. Wer in einem Spiel sabotiert, in dem die Regeln gegen ihn geschrieben sind, ist nicht irrational. Er ist nur ehrlich.
Während Gen Z im Maschinenraum sabotiert, sabotieren die Familienunternehmen oben. Subtiler. Anderes Tempo. Aber dasselbe Muster. Sie reden über Talent. Und sie verzichten freiwillig auf die Hälfte des Arbeitsmarkts.
Die Allbright-Stiftung hat letzte Woche ihren Frühjahrsbericht veröffentlicht. Titel: „Modernisierung? Später!" Der Befund: Die Top-100 Familienunternehmen Deutschlands haben 2026 nur 13 Prozent Frauen in der Geschäftsführung. Gegenüber 2024: plus 0,4 Prozentpunkte. Statistisches Rauschen.
Im Vergleich: DAX, MDAX, SDAX kommen auf 19,7 Prozent. Auch nicht überragend. Aber rund die Hälfte mehr.
51 von 100 Familienunternehmen haben überhaupt keine Frau in der Geschäftsführung. Allbright führt namentlich diejenigen mit großen Teams (sechs Personen oder mehr) und null Frauen auf: Schwarz Gruppe (neun GF-Mitglieder, alle männlich). Phoenix Pharma. Würth Group. Diehl. Rehau. Remondis. Sechs Konzerne, in denen niemand auf die Idee gekommen ist, dass Vielfalt vielleicht ein strategischer Hebel sein könnte.
Der Befund, der niemandem mehr erklärbar ist: Familienunternehmen rekrutieren Frauen fast genauso oft wie börsennotierte Konzerne. Aber sie halten sie nicht. Zwischen 2024 und 2026 hat jede dritte Frau die Geschäftsführung wieder verlassen. Bei Männern: jeder vierte. In börsennotierten Unternehmen ist es genau andersrum. Dort bleiben Frauen stabiler.
Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung, dazu im Handelsblatt-Interview: „Sie suchen sich dynamischere, offenere Unternehmen. Oder sie müssen gehen, weil sie die etablierten Prozesse infrage stellen."
Bei den 116 Neurekrutierungen der letzten zwei Jahre waren nur 17 Prozent Frauen. Männer wurden zu 62 Prozent intern befördert, Frauen nur zu 40 Prozent. Sie werden überwiegend von außen reingeholt, in ein System, das sie nicht halten will. Und dann verlassen sie es. Und dann wundert sich der Aufsichtsrat.
McKinsey misst seit Jahren, was diese Schablone kostet. Aktuelle Zahl aus der Studie 2023 mit 1.265 Unternehmen aus 23 Ländern: Unternehmen mit hoher Diversität in Führungsteams haben in Europa 62 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein.
Allbright nennt einen Abschnitt im Bericht „Stefan rekrutiert weiterhin vor allem Stefan." Wörtlich. Das ist keine Anekdote, das ist die Reproduktionslogik des Immergleichen. Familienunternehmen, deren Existenz auf Generationen angelegt ist, optimieren plötzlich auf das nächste Quartal. In einem Markt, der gerade in eine multiple Transformationskrise reinfährt. Wer da weiter nach Schablone rekrutiert, hat nicht beschleunigt, sondern aufgegeben.
Friedrich Merz. Montag, Schul-Panel. Sagt sinngemäß: Trump sei in den Iran-Verhandlungen gedemütigt worden. Das ist das Dümmste, was man über einen Narzissten öffentlich sagen kann. Die Konsequenzen kamen prompt.
Vier Tage später, Freitag: Trump zieht 5.000 US-Soldaten aus Deutschland ab. Mit Familiennachzug sind das 12.000 bis 15.000 Menschen, die aus Standorten wie Wiesbaden und Kaiserslautern verschwinden. Für diese Städte ein massiver wirtschaftlicher Einschlag. Begründung auf Truth Social, an Merz adressiert: „Soll sich um sein kaputtes Land kümmern". Parallel hebt Trump den Auto-Zoll von 15 auf 25 Prozent. Mitten in einer deutschen Industriekrise, in der jedes Komma am Exportpreis Werke kostet. Die NZZ schreibt trocken: „Kommunikationsdesaster".
Hormuz: Iran-Blockade läuft seit Wochen. Kerosinpreise plus 80 Prozent. Rund 40 Prozent des europäischen Kerosins kommen aus der Golfregion. Heinrich Großbongardt, Luftfahrt-Experte, prognostiziert ein Sommer-Defizit von 100.000 Tonnen pro Tag. Die ACI Europe, der europäische Flughafenbetreiber-Verband, warnt: ab Mai könnte Kerosin in Europa knapp werden. KLM streicht 160 Flüge, SAS streicht 1.000. Ab Ende Mai gelten Flugausfälle als realistisches Szenario.
Wirtschaftsministerin Katharina Reiche gibt offiziell Entwarnung: Die Versorgung mit Kerosin in Deutschland sei aktuell gesichert, Versorgungsengpässe bestünden nicht. Der ZDF-Faktencheck widerspricht öffentlich. Aber das Ministerium plant nichts. Keine strategische Reserve. Keine Notfallplanung. Keine Quotenregelung. Nichts.
Merz und Reiche optimieren beide auf den Applaus im eigenen Saal. Merz für die Schulklasse, Reiche für die Sommerferien-Wähler. Beide verkaufen das Außen für die Innenpolitik. In einer Woche, in der jede Stunde Substanz frisst, ist das die teuerste Form von Politik, die Deutschland sich gerade leisten kann. Die Quittung kommt nicht in schlechten Umfragewerten. Sie kommt in Soldaten, die abreisen. In Werken, die schließen. Und in Flügen, die im Sommer nicht starten.
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